Die litauische Hauptstadt unterscheidet sich deutlich vom hanseatisch geprägten Charakter ihrer baltischen
Schwestern, den Hafenstädten Riga und Tallinn. Der Großfürst Gediminas soll die Stadt auf Anraten eines
Traumdeuters gegründet haben. An der Vilnia−Mündung träumte er des Nachts von einem unbezwingbaren, da
eisernen Wolf. Tags darauf erbaute er nach der Konsultation seines Traumdeuters eine ebenso unbezwingbare
Burg, zu deren Füßen sich heute die Stadt erstreckt. Wohl kaum hätte sich der Grossfürst träumen lassen,
dass diese seine Stadt aufgrund des in ihr blühenden jüdischen Lebens einst als «Jerusalem des Nordens»
bezeichnet werden und mehr als fünfzig Kirchen, Synagogen und Moscheen beherbergen würde: Der 1316 an
die Macht gekommene Fürst nämlich bekämpfte den Deutschen Orden und blieb selbst bis zu seinem Tod Heide.
Nachdem Vilnius im 16. Jahrhundert eine Phase der Ruhe und des wachsenden Wohlstandes erlebt hatte, fiel
die Stadt im 17. Jahrhundert der Zerstörung anheim. Mehrere große Brände, der schwarze Tod und schließlich
der erste nordische Krieg verwüsteten die Stadt und dezimierten die Bevölkerung. Als Vilnius mit den
polnischen Teilungen ans russische Zarenreich gefallen war, liess das neue Gouvernement viele baufällige
mittelalterliche Bauten schleifen und errichtete zahlreiche Bauwerke im Stil des russischen Barock.
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